Allbuch

Aus Allbuch - Die neue Enzyklopädie
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Ein Allbuch (nach Peter Sloterdijk auch All-Buch[1]) ist ein Fachausdruck für ein mehrbändiges allumfassendes bzw. ausführliches sowie weltumspannendes Nachschlagewerk im Sinne einer Enzyklopädie oder eines Konversationslexikons. In der Theologie wird die christliche Bibel zuweilen als das eigentliche Allbuch bezeichnet.

Erläuterung

Johann Wolfgang von Goethe schätzte das deutsche Wortbildungsmuster ALL + SUBSTANTIV und machte davon rege Gebrauch, u. a. bei Allbeherrscherin, Allbildsamkeit, Allerhalter, Allgegenwart, Allgemeinde, Allpflanzenschaft und Allverleger. In der Germanischen Mythologie gilt der Gott Wodan als Allvater. Für manche Kritiker galten in den vergangenen Zeiten des Bildungsbürgertums die Judenromane Thomas Manns mit der mythischen hebräischen Gestalt des Träumers Josef als das bildungsbürgerliche „Allbuch“.

Im allgemeinen gilt ein Allbuch als eine Vereinigung der reinen Sach- (Lexikon) und Sprachwörterbücher. Noch 1978 galt die 6. Auflage des Neuen Brockhaus in fünf Bänden als Vorbild eines Allbuches, laut Werbeprospekt Lexikon und Wörterbuch in einem.

„Die Enzyklopädie wird erkennbar nicht als Organ nationaler Bildung, sondern als Informationsträger verstanden. Gleichwohl ist ein Nachschlagewerk nicht per se dadurch ‚besser‘, daß es auf Wertungen und direkte Indoktrination verzichtet. Gefragt werden muß, von welcher Qualität und Aktualität die Information ist, die es bereitstellt. Hier zeigt sich, daß ein Lexikon, das kulturelles Identitätspathos deutlich erkennen läßt, sprachhistorisch durchaus auf der Höhe seiner Zeit sein kann (z. B. Brockhaus 4/1968, 579 f.), während ein anderes im nüchternsten Duktus die verkürzende Darstellung eines veralteten Wissenstandes liefert (z. B. Bertelsmann 4/1988, 228).“[2]

Fachliche Allbücher versuchen, das zum Wörterbuchgegenstand gewählte Fachgebiet und dessen Fachsprache umfassend und ganzheitlich abzudecken, zu den einzelnen Lemmata semantische und enzyklopädische Informationsarten zu bieten, systematische Zusammenhänge sowie Begriffsfelder in Form von Einführungen und Überblicksdarstellungen bereitzustellen. Beispiele für Wörterbücher vom Typ fachliches Allbuch sind: Bußmann (1990) und Ueding (1992).

„Ein fachliches Allbuch ist sodann ein Fachwörterbuch, dessen genuiner Zweck darin besteht, daβ ein potentieller Benutzer aus den lexikographischen Daten Informationen zu (fach)-sprachlichen Gegenständen und zu nicht-sprachlichen Gegenständen (zu den Sachen im Fach) gewinnen kann.” — Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Herbert Ernst Wiegand, in: Was eigentlich ist Fachlexikographie?, 1988[3]

Siehe auch

Literatur

  • Friedrich Clemens Gerke: Das Allbuch, eine Bibel, Vogel, Hamburg 1844
  • Der Neue Brockhaus – Allbuch in vier Bänden ohne Atlas. Mit über 10000 Abbildungen und Karten im Text und auf 1000 einfarbigen und bunten Tafel- und Kartenseiten sowie einem zerlegbaren Modell, F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1937–1938
    • Allbuch taucht auch in späteren, umfangreicheren Ausgaben dieses Werkes wieder auf, so noch in der Ausgabe: Der Neue Brockhaus. Allbuch in 7 Bänden: Band 1 - A bis D, Band 2 - E bis I, Band 3 - J bis NEU, Band 4 - NEV - SID, Band 5 - SIE bis Z, Band 6: Ergänzungsband Band 7: Atlas. Mit 377 Karten, 241 Fotos im Tiefdruck, 70 Schaubilder. Brockhaus, Leipzig 1958–1964

Verweise

Fußnoten

  1. in: Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik, Suhrkamp Verlag, 2010
  2. Werner Besch: Sprachgeschichte – Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung, Walter de Gruyter, 1998, S. 381
  3. Im Gegensatz zu den fachlichen Sprachwörterbüchern, in denen „bei weitem die linguistischen Angaben“ überwiegen und den fachlichen Sachwörterbüchern, in denen „bei weitem die enzyklopädischen Angaben“ überwiegen, treten in fachlichen Allbüchern sowohl enzyklopädische Angaben als auch linguistische Angaben auf.