Autobahn

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Reichsautobahn München–Salzburg
Großer Übersichtsplan, Mitte 1935.
(aus „Der Schulungsbrief“, Heft 6/1935, S. 209)

Im Mai 1933 veröffentlichte der auto- und technikbegeisterte Adolf Hitler ein Programm zum Bau von Autobahnen, gemäß dem sich ein dichtes Netz von vierspurigen (24 m breiten) Kraftfahrstraßen über Deutschland spannen sollte zur Neuerschließung des deutschen Raumes mit Kraftfahrzeugen. Am 23. September 1933 wurde bei Frankfurt am Main durch ihn der erste symbolische Spatenstich ausgeführt:

„Deutsche Arbeiter an das Werk der Zukunft!“

Deshalb wurden die Reichsautobahnen auch Straßen des Führers bzw. Straßen Adolf Hitlers genannt.

Planung

In einer Veröffentlichung (vielleicht in der Wochenschau) soll behauptet worden sein:[1]

„Als einer der besten Straßenkenner Deutschlands hat unser Führer in genialer Weise den Plan für die Reichsautobahnen selbst aufgestellt.“

Die ersten Vorplanungen für die damals als „Kraftwagenstraßen“ bezeichneten Autobahnen, die jedoch nicht finanziert werden konnten, legte der private „Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte-Frankfurt-Basel“ 1927 zur Zeit der Weimarer Republik vor. Die heutige A 555 zwischen Köln und Bonn, die nach dreijähriger Bauzeit am 6. August 1932 durch den damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer eröffnet wurde, gilt als die erste öffentliche Autobahn Deutschlands.

Durchführung

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Autobahnen beschlossen. Riesenprojekt. Hitler hat ganz große Pläne. Eltz niedergebohrt. Fremdenverkehrsgesetz beschlossen.
Joseph Goebbels, Tagebucheintrag vom 24. Juni 1933


Spatenstich durch Hitler bei Frankfurt am Main
Plakat der Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr Entwurf: Robert Zinner Berlin, um 1936
Eröffnung der ersten Teilstrecke der Reichsautobahn durch Adolf Hitler, 19. Mai 1935
Reichsautobahn, Pommern 1938
Wegweiser zur Reichsautobahn in Erfurt im August 1950

Durch Gesetz vom 27. Juni 1933 wurde die Gesellschaft „Reichsautobahnen“ von der Deutschen Reichsbahn als Zweigunternehmen gegründet. Später wurde sie eine eigene Reichsbehörde mit Beaufsichtigung durch den Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Fritz Todt. Dieser hatte sich einer der Landschaft angepaßten Linienführung verschrieben und bevorzugte Baumaterialien (bei Brückenbauten und Raststätten) aus den jeweiligen Regionen.

Im Frühjahr 1934 war Baubeginn an gleichzeitig 22 Baustellen im gesamten Deutschen Reich.

Neu war seinerzeit außerdem folgendes:

  • Die Reichsautobahnen sind ausschließlich für den Verkehr mit Kraftfahrzeugen bestimmt.
  • Die Reichsautobahnen sind kreuzungsfrei.
  • An bevorzugten Punkten wurden Reichsautobahngaststätten neu geschaffen zu mehrstündigem Aufenthalt auch mit Kindern und zur Übernachtung. Die erste Reichsautobahngaststätte wurde an der Strecke München–Salzburg am Chiemsee mit Terrassenstrandbad für 4.000 Personen eröffnet.

Von den im Grundnetz geplanten 6.900 km waren bis 1945 rund 3.800 km gebaut. Es war die größte geschlossene Bauleistung der Welt, auch für das Ausland vorbildlich.

Die Arbeitsbeschaffung spielte beim Bau der Reichsautobahnen eine Rolle. Die höchste Beschäftigungszahl gab es im Jahr 1936, als rund 120.000 Arbeiter an den Trassen eingesetzt waren.

Die Legende von den kriegswichtigen Autobahnen

Daß die Autobahnen dem Krieg wesentlich nützten, ist eine Legende. Ebenso falsch ist es, daß die Autobahnen eine Kriegsvorbereitung darstellten.

Die Autobahnen waren während des Kriegs weitestgehend leer, wegen der Benzinknappheit waren es höchstens einige wenige Kuriere, die sie benutzten. Einheiten der Wehrmacht wurden mit der Reichsbahn verlegt. Hätte Hitler 1939 es auf einen Krieg angelegt oder diesen vorhergesehen, hätte er die Ressourcen statt in die Reichsautobahn an anderen Stellen investiert. Die meisten Autobahnen verliefen außerdem in Nord-Süd-Richtung. Die A 9 von Berlin nach München wurde bevorzugt ausgebaut, damit Parteifunktionäre schnell zwischen Berlin und München hin- und herfahren konnten.

Die Ost-West-Autobahnen dienten allerdings den Alliierten im April/Mai 1945 zum Vorstoß. Konews Panzerarmeen stießen im April aus dem Raum Forst auf der A 15 bzw. A 13 auf Berlin vor und waren schneller vor Ort als Shukows Belorussische Front, die sich den direkten Weg von der Oder her vorkämpfte. Stalin ließ schon vor dem Krieg einen „Autobahnpanzer“ bauen, dem man die Ketten abnehmen konnte, um auf den Rädern sehr schnell zu fahren. Beim Zustand des russischen Straßensystems läßt das nur den Schluß zu, daß eine militärische Verwendung der deutschen Autobahnen sicherlich geplant war, allerdings nicht von den deutschen Truppen.[2]

Nach 1948

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Straßenverkehr in Deutschland, wie er in Europa nicht seinesgleichen hatte. Durch die PKW-Schwemme (1953 erstmalig 1 Million PKW-Neuzulassungen) und durch stärker motorisierte Fahrzeuge kam es vermehrt zu Verkehrsunfällen. Hitler hatte diese rasche Entwicklung bereits vorhergesehen:

Ich sehe die Entwicklung des Verkehrs vor mir und weiß, daß in zehn Jahren besonders der Kraftwagenverkehr ein ungeheurer sein wird.[3]

Ab 1954 wurde ein Notrufsäulensystem errichtet und der ADAC baute für Autopannen die Straßenwacht mit Motorrädern auf, die mit Werkzeugkisten ausgestattet wurden. In Berlin wurden 40 Kilometer Stadtautobahn erbaut. Die Autobahn Berlin–Hamburg wurde fertiggestellt und ebenso wie die Strecke Berlin–Helmstedt (Hof, Bayern) zur Interzonenautobahn erklärt. Hier gab es von 1971 bis 1990 oft willkürliche Behinderungen (Gebühren, Kontrollrampen usw.) insbesondere des Gütertransportes durch die DDR-Zollbehörden.

Zwischenzeitlich wurden viele Streckenbereiche um weitere Streifen erweitert und durchgehend mit Stahlsicherheitsplanken oder Betonschutzwänden versehen. Aus Natur- und Umweltschutzgründen sind Autobahnen heute oft mit bepflanzten Wällen und mit Lärmschutzwänden ausgestattet.

Verkehrsregelung

Auf Autobahnen sind nur Kraftfahrzeuge zugelassen. Die Beschilderung der Autobahn erfolgt mit blauen Verkehrszeichen. Aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes wurden mehr und mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt; weiterhin ist empfohlen, die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h einzuhalten. Kraftfahrzeuge, die bauartbedingt nicht mehr als 60 km/h erreichen, sind von der Autobahnbenutzung ausgeschlossen. Das Halten, Wenden, Rückwärtsfahren sowie das Auf- und Abfahren an nicht gekennzeichneten Stellen auf der Autobahn sind verboten. Zum Halten oder Parken sind Parkplätze, Raststätten und Tankstellen vorhanden. Fahrzeuge mit einer Panne werden auf dem Standstreifen abgestellt und der Abschleppdienst verständigt.

Aktuelles

Derzeit diskutieren insbesondere nicht-deutsche Politiker in Brüssel die Einführung von Benutzungsgebühren auf bundesdeutschen Autobahnen, wobei die sogenannte Europa-Harmonisierung als Begründung dient. Nicht beachtet wird dabei, daß die Autobahnen hierzulande schon lange von den Steuern der Bürger bezahlt werden und keine Privatinvestitionen sind, die wie in anderen Ländern Gewinn abwerfen sollen. Keine Diskussion hingeben gibt es bezüglich der Möglichkeit, ausländische LKW-Transporte im Transit mit Vignetten (wegen außergewöhnlicher Nutzung, Abnutzung) zu belegen.

Galerie

Zitate

  • „Mehr als die Eisenbahn – sie ist etwas Unpersönliches – wird der Kraftwagen die Völker verbinden. Welch' ein Faktor auf dem Wege zum neuen Europa! Wie die Autobahn die innerdeutschen Grenzen hat verschwinden lassen, werden die Grenzen der europäischen Länder überwunden.“Adolf Hitler[4]

Kulturfilme

Siehe auch

Weltnetzseiten

Literatur

Fußnoten

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Autobahn.
  2. Viktor Suworow: Stalins verhinderter Erstschlag
  3. Zitiert in: Heinrich Schwendemann: Bomben für den Aufbau. In: Stephan Burgdorff & Christian Habbe (Hrsg.): Als Feuer vom Himmel fiel. Der Bombenkrieg in Deutschland. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2003. S. 222
  4. In: Monologe im Führerhauptquartier – die Aufzeichnungen Heinrich Heims, herausgegeben von Werner Jochmann, Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, ISBN 3-453-01600-9 (Aufzeichnung vom 05./06. Juli 1941, Seite 39)
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